Graue Literatur – Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit

„Graue Literatur“ – das hört sich ein wenig nach „Schwarzmarkt“ an. Die Existenz grauer Publikationen wirft die Fragen auf, was man unter dieser Literaturart versteht, wo man sie findet und ob sie für Ihre wissenschaftliche Arbeit verwendet werden darf. Dieser Beitrag gibt Antworten zur Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit der grauen Literatur.

Grau als Zwischenton von Schwarz und Weiß steht oftmals für Situationen, in denen man sich nicht für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden kann. So ist es auch hier, denn „graue Literatur“, das sind Publikationen, die zwar einen wissenschaftlichen Hintergrund haben, aber nicht oder noch nicht klassisch publiziert wurden.

Beispiele grauer Literatur sind:

  • Abschluss- oder Zwischenberichte aus Forschungsprojekten,
  • Tagungsbände von Kongressen und wissenschaftlichen Symposien,
  • Working Papers,
  • Vorabveröffentlichungen von Fachartikeln usw.

Gemeinsames Kennzeichen der grauen Literatur ist, dass sie nicht verlagsgebunden veröffentlicht wird. Noch vor wenigen Jahren waren solche Veröffentlichungen nur über den Herausgeber zu beziehen. Heute hat das Internet auch hier die Dinge grundlegend verändert: Forschungseinrichtungen, Hochschulen und andere Institutionen stellen ihre graue Literatur zum Download zur Verfügung.

Beispiel: Die Universität Passau veröffentlicht die sog. „Passauer Diskussionspapiere“ unter der Herausgeberschaft der betriebswirtschaftlichen Professorinnen und Professoren der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Es gibt drei Schriftenreihen: BWL, VWL und Wirtschaftsinformatik.

Sie finden diese „graue Literatur“ unter folgendem Link:

http://www.wiwi.uni-passau.de/forschung/passauer-diskussionspapiere/

Verlagsungebundene Veröffentlichung heißt aber auch: Quasi jeder kann „graue Literatur“ veröffentlichen. Sie ist damit oftmals schneller als eine klassische Veröffentlichung und enthält damit manchmal auch aktuelleres Wissen. Vor einer Nutzung dieser Literatur muss dringend geprüft werden, ob sie zitierwürdig und zitierfähig ist.

Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit

Die Zitierfähigkeit ist meist schnell geprüft: Verfügt die Publikation über eine ISSN (International Standard Serial Number), also eine Nummer im Rahmen einer fortlaufenden Publikation, kann sie bereits gut verortet werden. Steht die Publikation per Internet zum Abruf bereit, kann sie wie andere Internetquellen auch zitiert werden. Das korrekte Zitieren mittels erweiterten Kurzbeleg wird im Buch Zitieren 2.0 (*) erläutert.

Die graue Quelle selbst nennt üblicherweise alle erforderlichen Daten, die für eine Zitation erforderlich sind.

Beispiel: Unter den Passauer Diskussionspapieren findet sich ein PDF, dessen erste Seite hier ausschnittweise abgebildet ist. Sie sehen, dass dort die Autoren genannt sind, der Titel der Publikation, eine ISSN sowie eine weitere Nummer innerhalb der Passauer Reihe. Im Original-PDF findet sich dann auf der dritten Seite auch das Veröffentlichungsdatum.
Im Quellenverzeichnis wird diese graue Literatur bei Einsatz des erweiterten Kurzbelegs wie folgt aufgeführt:

Diller, Markus/Lorenz, Johannes (Tax Information Exchange, 2017): Do Tax Information Exchange Agreements Curb Transfer Pricing-Induced Tax Avoidance, in: Universität Passau (Hrsg.), Passauer Diskussionspapiere (ISSN 1435-3539), Beitrag B-29-17, März 2017.

Oder, wenn die Online-Verfügbarkeit betont werden soll:

Diller, Markus/Lorenz, Johannes (Tax Information Exchange [Online], 2017): Do Tax Information Exchange Agreements Curb Transfer Pricing-Induced Tax Avoidance, in: Universität Passau (Hrsg.), Passauer Diskussionspapiere, Beitrag B-29-17, März 2017. Online verfügbar unter: <http://www.wiwi.uni-passau.de/fileadmin/dokumente/lehrstuehle/lehner/pdf_Passauer_Diskussionspapiere/BWL/B-29-17_-_Do_Tax_Information_Exchange_Agreements_Curb_Transfer_Pricing-Induced_Tax_Avoidance.pdf>, Zugriff am 04.02.2018.

Die Zitierwürdigkeit muss im Einzelfall geprüft werden. Für das obige Beispiel der Passauer Diskussionspapiere kann die Zitierwürdigkeit durch wenige Prüfungen bestätigt werden: Die Herausgeber und Autoren stammen allesamt von der Universität Passau oder aus deren akademischen Umfeld. Die Veröffentlichung wird auf den Internetseiten der Universität angeboten. Die Dokumente selbst genügen jedem wissenschaftlichen Anspruch und zitieren ihrerseits verwendete Literatur.

Fazit

Graue Literatur ist verlagsungebunden. Die Zitierfähigkeit kann üblicherweise hergestellt werden, die Zitierwürdigkeit ist vom Verwender selbst im Einzelfall zu prüfen. Wird die Zitierwürdigkeit bejaht, steht der Verwendung grauer Literatur in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit nichts entgegen.

 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind Werbung bzw. Werbe-Links. Sie können das beworbene Produkt unter der angegebenen Adresse direkt einkaufen.

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