Darf man Inhalte aus eigenen Studienarbeiten in die Thesis übernehmen?

Während Ihres Studiums schreiben Sie eine Vielzahl an schriftlichen Arbeiten: Semesterarbeiten, Hausarbeiten, die Studienarbeit etc. Sobald es dann an die Abschlussarbeit geht, fragen sich viele: „Darf ich Teile aus meinen Arbeiten in die Thesis kopieren?“ Leider nein. Dieser Beitrag erklärt Ihnen, warum das so ist und wie Sie dennoch Material für Ihre Thesis gewinnen.

Der Wunsch nach einer guten „Zweitverwertung“ Ihrer Studienleistungen ist verständlich. Und natürlich wäre man bei der Bachelor- oder Master-Arbeit schneller am Ziel, wenn sich einige Kapitel oder zumindest Unterpunkte „Copy & Pasten“ ließen. Doch das geht wegen eines einfachen Grundsatzes nicht:

Jede Leistung eines Studierenden kann nur einmal bewertet werden.

Das ist auch schlüssig: Die schriftlichen Arbeiten sind Prüfungsleistungen oder zumindest Workload für Credit-Points. Eine Prüfungsleistung kann aber nicht zu mehreren Noten führen.

Auch aus inhaltlichen Erwägungen rate ich von textgleichen Übernahmen aus alten Arbeiten ab: Die Zielsetzungen einer Seminar-/Hausarbeit, Studienarbeit und Thesis unterscheiden sich. Selbst wenn sich also z.B. die Studienarbeit und die Thesis mit dem Thema „Kundenzufriedenheit“ befassen, ist doch das jeweilige Erkenntnisinteresse der Arbeiten ein anderes.

Wiederverwendbar sind: Literatur, Quellen und Ihr Fachwissen

Sie können Elemente Ihrer schriftlichen Studienarbeiten weiterverwenden, sofern eine thematische Übereinstimmung oder Nähe existiert, mehr dazu weiter unten. Wiederverwendbar sind: Literatur, Quellen und Ihr Fachwissen.

  • Ihre Literatur- und Quellensammlung können Sie durchgehen und prüfen, ob die Quelle für die neue Arbeit geeignet ist. Wenn ja, haben Sie schnell einen stattlichen Fundus an Literatur beisammen.
  • Die Recherche nach neuer Literatur wird vereinfacht. Wer sich in einem Teilgebiet bereits auskennt, weiß, „wen man lesen und zitieren sollte“. Sie können Namen von Wissenschaftlern viel schneller einordnen.
  • Modelle und Konzepte sind Ihnen geläufig: Sie verfügen über ein fundiertes Vorwissen und können Ihr Fachwissen für die neue Aufgabe schnell reaktivieren.

Schreiben Sie die Texte aber in jedem Fall neu. Dies garantiert zum einen, dass Sie sich zu einhundert Prozent an der Forschungsfrage Ihrer Thesis orientieren. Sie stellen so zudem sicher, dass Sie Ihre in der Zwischenzeit gewonnenen wissenschaftlichen Einsichten ebenfalls optimal in die jetzt zu schreibende Abschlussarbeit einbringen können.

Ein Tipp: Themen im Vorfeld abstimmen

Als Tipp möchte ich Ihnen noch anraten, dass Sie die Themen von Studienarbeit und Thesis im Vorfeld aufeinander abstimmen – dies minimiert Ihre Arbeitslast für Literatur- und Quellenrecherche deutlich. Ideal ist, wenn eine frühe schriftliche Arbeit ein generelles Thema behandelt und die spätere Thesis einen Spezialaspekt daraus vertieft.

So könnten Sie zum Beispiel eine Studienarbeit mit dem Titel „Präventive Qualitätstechniken im Rahmen der Produktentwicklung“ schreiben und darin die Techniken QFD, FMEA etc. behandeln. Wählt sich die Bachelor-Thesis dann die „Konzeption und Implementierung einer FMEA-Logik im Produktentwicklungsprozess der XY GmbH“, greifen Sie sofort auf Ihr Wissen zur Produktentwicklung, zu Fehlern in ihrem Prozess und Ihre FMEA-Literatur etc. zurück und starten durch.

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