„Zitiert nach“ – Sekundärzitate richtig ausführen

Sekundärzitate sind Verweise auf eine Quelle, die selbst aus einer zweiten Quelle stammen. Diese auch als Rezitate bezeichneten Verweise sind stets problematisch und sollten unterlassen werden. Doch was macht man, wenn es keine Alternative zum Rezitat gibt? „Zitiert nach“ oder „zit. nach“ kann eine Lösung sein. Dieser Beitrag sagt Ihnen mit Beispielen, wie Sie das „zitiert nach“ richtig anwenden und welche Bedingungen Sie dazu beachten müssen.

Primärquelle und Sekundärquelle

Wissenschaftliche Arbeiten nutzen Zitate zum Verweis auf die Quelle. Beim Studium der Fachliteratur finden Sie vielleicht eine prägnante Aussage im Text, die aus einer anderen Publikation stammt. Da die Aussage für Ihre Arbeit treffgenau passt, möchten Sie diese gerne übernehmen. Das geht ohne Probleme und ist sogar gewünscht, sofern Sie die sog. Primärquelle dazu nutzen. Die Primärquelle ist der Ursprung des Zitats.

Den Verweis auf die Primärquelle haben Sie vor sich in dem Text, den Sie gerade studieren. Dieser Text ist die Sekundärquelle für die begehrte Passage. Die Versuchung ist nun für Viele groß, Text und Quellenvermerk einfach aus der Sekundärquelle zu übernehmen, also ein Sekundärzitat zu schaffen. Dieses Vorgehen wäre jedoch ein Verstoß gegen die Zitierpflicht, gegen die Ethik der Wissenschaft und würde Ihre Arbeit in die Nähe eines Plagiats rücken. Zudem besteht die Gefahr, dass sich Übertragungs- oder Übersetzungsfehler bei der Übernahme in die Sekundärquelle eingeschlichen haben. Sie würden diese dann weiterverbreiten.

Beispiel: So sollte man es nicht machen: Prahalad/Hamel werden als Sekundärzitat aus einem Lehrbuch übernommen:

Wettbewerbsvorteile haben nach Prahalad/Hamel ihre Wurzeln in der Kombination unterschiedlicher Fähigkeiten des Unternehmens.²

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² Vgl. Müller-Stewens/Lechner, Strategisches Management, S. 221.

Die Originalquelle ist leicht zu beschaffen. Im Text geben Müller-Stewens/Lechner alle benötigten Informationen. Bei EBSCO findet sich online der Originalartikel, hier wiedergegeben mit seinen vollständigen Quelleninformationen:

Prahalad, C.K./Hamel, Gary: The Core Competence of the Corporation, in: Harvard Business Review. 68. Jahrgang, Heft 3, Mai/Juni 1990, S. 79–91.

Erwecken Sie nie den Anschein, Sie hätten die Primärquelle gelesen, wenn dem nicht so ist.

Optimale Lösung: Primärquelle beschaffen

Der wissenschaftlich korrekte Weg ist nun: Sie besorgen sich die Primärquelle und studieren diese. Von Studierenden wird der Aufwand erwartet, in Datenbanken zu recherchieren und in die Bibliothek zu gehen sowie anschließend die Quelle zu lesen. Auch wenn eine Quelle in Ihrer Bibliothek nicht verfügbar ist, gibt es immer noch die Möglichkeit der Fernleihe oder des kostenpflichtigen Kopierdienstes der Bibliotheken, SubitoDoc. Immerhin dient dies alles Ihrem Wissenserwerb.

Zweitbestes Vorgehen: Zitiert nach…

Sonderfälle machen es eventuell erforderlich, mit der Sekundärquelle zu arbeiten: Die Primärquelle ist (historisch) alt und steht nicht per Fernleihe zur Verfügung oder die Originalquelle ist nicht zugänglich. In diesen Ausnahmefällen nutzen Sie die Ihnen vorliegende Sekundärquelle.

Gehen Sie offen mit dem Gebrauch der Sekundärquelle um. Machen Sie dem Leser deutlich, dass es sich um ein „zitiertes Zitat“ handelt. Weisen Sie eventuell schon sprachlich im Text darauf hin, dass es die Gedanken und Zusammenfassungen eines anderen Autors sind, die Sie hinsichtlich der Primärquelle nutzen. Bewährt hat sich dazu, die Namen der Beteiligten in den Fließtext einzubauen, nach dem Schema „Schmidt verweist auf Müller, der die Meinung vertritt, dass …“.

Beispiel eines guten Umgangs mit einem „unvermeidlichen“ Rezitat:

Bühner verweist zu den Hawthorne-Experimenten auf Roethlisberger/Dickson, die 1939 ihre diesbezüglichen Er-gebnisse publizierten und dabei darstellten, dass Arbeitsergebnisse auch von psychischen Faktoren, dem Füh-rungsstil und der Arbeitsatmosphäre abhängen.³

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³ Vgl. Rothlisberger/Dickson, Management and the Worker, 1939, zitiert nach Bühner, Organisationslehre, 2004, S. 106.

Unbedingt müssen nun in der Fußnote beide Quellen genannt werden, damit der Leser voll Transparenz in der Zitation sieht. Dort steht dann auch das „zitiert nach“, ober abgekürzt „zit. nach“.

Zuerst wird die Primärquelle genannt, dann das „zit. nach“ und nun die Sekundärquelle. Alle Nennungen erfolgen jeweils mit Angabe der Seitenzahl bzw. genauen Fundstelle. Im Literaturverzeichnis sind dann beide Quellen aufzuführen.

Fazit

  • Rezitate sind grundsätzlich abzulehnen.
  • Von Studierenden wird erwartet, die Originalquelle zu beschaffen und selbst auszuwerten.
  • Bei einem unvermeidlichen Rezitat verwenden Sie das „zitiert nach“.
  • In der Fußnote: Primärquelle mit Seitenangabe, dann „zit. nach“, dann die Sekundärquelle mit Seitenangabe
  • Im Literatur- und Quellenverzeichnis: Beide Quellen exakt nach den Regeln für das Quellenverzeichnis aufführen.

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